Die schönste Blume der WeltEs war einmal ein Bauer. Der hatte drei Söhne. Den Jüngsten von ihnen nannten alle den Schlauling, den Mittleren nannten alle Normalling und den Ältesten nannten alle den Dummling. Nachdem der Bauer fünf Mißernten hintereinander erleiden musste, wusste er nicht mehr, was er machen sollte. Als die Not gerade am Größten war, erschien ihm im Traum eine Fee. Sie sprach: "Suche die schönste Blume der Welt und lege sie auf dein Feld! Dann wird es wieder regnen. Aber gib Acht! Derjenige, der die Blume sucht, darf auf der ganzen Reise keinen Wein trinken, kein Tier erschießen und niemals das Gasthaus "Zum goldenen Hirsch" betreten, sonst wird es ihm schlecht ergehen." Am nächsten Tag schickte der Bauer den Schlauling in die Welt, die Blume zu suchen. Als der Schlauling aber ein Stück gegangen war, kam er an ein Gasthaus. Es hieß "Zum goldenen Hirsch". Dieses sah so verlockend aus, dass er nicht wiederstehen konnte hineinzugehen. Als er drinnen war, ließ er sich mit dem kostbarsten Weine bedienen. Das Geld, das der Vater ihm mitgegeben hatte, war bald aufgebraucht. Doch er merkte es nicht und ließ sich weiterhin bedienen. Als er aber bezahlen sollte, waren seine Taschen leer. Er wurde in einen tiefen Kerker geschmissen und konnte nicht mehr heraus. Als der Schlauling nicht wieder zurückkam und das Geld immer knapper wurde, machte der Zweite sich auf den Weg, sein Glück zu versuchen. Als er am Gasthaus "Zum goldenen Hirsch" vorbei kam, quälte er sich die ganze Straße über. Am Ende wäre er fast hinein gegangen, doch vor der Tür dachte er noch einmal nach, in welch großer Hungersnot sich sein Vater befand und ließ es bleiben. Als er weiter ging, kam er ans nächste Gasthaus, wo er über Nacht bleiben wollte. Und so oft er: Ich darf nicht! Ich darf nicht!, zu sich selbst sagte, am Ende trank er doch den so verführerisch aussehenden Wein. Leider trank er zu viel davon und ließ sich betrunken wie er war mit dem Wirt auf eine leichtsinnige Würfelwette um Geld ein. Doch als er am nächsten Morgen bezahlt hatte und gehen wollte, erinnerte der Wirt an die Wette. Da bereute der Normalling die Wette, denn er hatte nicht mehr genug Geld, um seine Schulden zu bezahlen. Wenn ich nicht gewinne, komme ich in den Kerker, dachte er zitternd. Es war abends zu spät gewesen, deshalb mussten sie die Wette heute erledigen. Der Wirt gewann und der unglückliche Normalling musste ins Gefängnis. Der Vater hatte inzwischen alle Hoffnung aufgegeben. Da sprach der Dummling: "Lass' es mich versuchen. Vater. Ich werde unter allen Bedingungen die Aufgaben erfüllen. Du kannst dich auf mich verlassen." Da willigte der Vater ein, und der Dummling zog los, die Blume zu suchen. Als er am Gasthaus "Zum goldenen Hirsch" vorbei kam, zögerte er nicht lange und ging schnurstracks geradeaus weiter. Ins nächste Gasthaus ging er hinein und fragte, ob noch ein Platz frei wäre. Er hatte Glück und blieb. Am Abend trank er nur normales Wasser und ging sehr früh ins Bett. Morgens verließ er mit einem guten Gefühl das Gasthaus. Als er ein Stuck gewandert war, sprang er plötzlich vor einem großen Wald. Er atmete tief durch und machte sich auf den Weg. Als er schon tief im Wald war, hörte er das Brummen eines Bärens. Er nahm sein Gewehr und wollte schießen. Doch er erinnerte sich in der letzten Sekunde daran, dass er das gar nicht durfte. Er versteckte sich, bis der Bär weg war und ging weiter. Schließlich kam er zu einer Lichtung, auf der er sich ausruhen konnte. Plötzlich stand neben ihm die schönste Blume, die er je gesehen hatte. Voller Freude grub er sie aus und brachte sie heim. Unterwegs kaufte er seine Brüder frei. Dem Vater erschien noch in derselben Nacht die Fee. Diese sprach: "Du hast die Blume herbeigeschafft. Dafür sollst du belohnt werden. Es wird immer auf deine Felder regnen und die Hungersnot wird ein Ende haben." Der Bauer war überglücklich und lebte mit seinen drei Söhnen bis an sein Lebensende. |
![]() |
![]() |
![]() |