Märchenvorschlag Nr. 14/2001
Die drei AufgabenEs war einmal in einem fernen unbekannten Land, das heißt, so weit weg war es gar nicht, es lag sogar ziemlich genau zwischen da und dort. Auf jeden Fall lag ganz in der Nähe von dem Land ein Wald In dem Land sprach man von dem verzauberten Wald oder dem verwunschenen Wald. Es ging das Gerücht um, dass jeder, der in den Wald gegangen ist, nie wieder gesehen wurde. Aber nun zuerst noch einmal zurück zu unserem Land Wie in jedem Land lebte auch hier ein König. Das Volk mochte ihn sehr, denn er war ein großzügiger, gerechter und netter Herrscher. Er gönnte seinem Volk ein gutes Leben. Außerdem hatte er noch eine Frau und eine wunderschöne und beliebte Tochter. Schon viele Jünglinge und Prinzen hatten bei ihm um die Hand seiner Tochter angehalten, doch er hatte nie gewusst, ob er vor einem guten Gemahl für seine Tochter stand. So kam es, dass er einen Wettbewerb veranstalten wollte, um so festzustellen, wer der beste Mann für seine Tochter sei. Nun dauerte es nicht lange, da kamen aus der ganzen Welt Männer, die gern die Prinzessin heiraten wollten. Der erste kam mit einem prächtigen Rappen zum Schloss geritten. Er verbeugte sich vor dem König und fragte auffordernd: " Was soll ich tun, damit Eure Tochter meine Frau wird?" Der König antwortete: "Du sollst drei Aufgaben, die ich dir stellen werde, lösen Aber überlege dir gut, ob du das wirklich wagen willst, es könnte sehr gefährlich werden." Der Jüngling meinte vorlaut: "Bis jetzt habe ich jede Aufgabe geschafft, die mir gestellt wurde. Also sagt, was soll ich tun." Der König antwortete abermals:,. Du sollst zuerst zu der Hexe Antonia gehen, die dort hinten wohnt" Er zeigte auf eine Karte, die vor ihnen lag "Sie sollst du bitten, dir das 'Kraut der Weisen' zu geben. Es ist ein äußerst seltenes Kraut. Als Zweites sollst Du durch den 'verzauberten Wald' gehen. Ziemlich genau in der Mitte des Waldes steht eine einsame Buche. Wenn du von ihr aus drei Schritte nach Süden und dann drei Schritte nach rechts gehst, liegt unter dir ein Schatz, den du mir bringen sollst. Als dritte und letzte Aufgabe sollst du meiner Tochter die schönste Blume der Welt bringen. Wenn du das alles schaffst, sollst du sie zur Gemahlin haben." Der Jüngling machte sich auf den Weg zum Haus der Hexe, die ihm das Kraut ohne Probleme aushändigte. Er brachte es dem König und ging dann in den Wald, aus dem er jedoch nicht zurückkehrte. So ging es mit vielen Jünglingen, bis sich keiner mehr traute, die Aufgaben zu versuchen. Doch nach etwa einem Jahr kam ein junger Bauersmann daher, der wie die anderen nach den Aufgaben fragte. Zwar glaubte der König nicht, dass dieser es schaffen könne, da er nicht einmal ein Pferd besaß. Aber er schickte ihn trotzdem los. Wie die anderen bestand er die erste Aufgabe fast mühelos. Als Nächste machte er sich in den Wald auf, aus dem er lange nicht zurückkehrte, so dass der König ihn für tot hielt. Doch eines Morgens schaute der König aus dem Fenster und sah von seinem Schloss aus den Bauern mit einer Kiste und allen anderen Jünglingen. Der König rannte hinunter und fragte den Bauern, wie er sein Abenteuer bestanden habe. Der Bauer erzählte: " Ich ging in den Wald und fand auch die alte Buche, dann ging ich drei Schritte nach Süden und drei Schritte nach rechts. Ich wollte gerade anfangen zu graben, als ich von hinten eine Stimme hörte : Wen haben wir denn da? Ich drehte mich um und sah dieser alten Frau hier ins Gesicht. Sie sagte ein seltsam klingendes Verslein auf. Ich vermutete, sie sei eine Hexe, doch nichts geschah. Trotzdem stürzte ich mich auf sie und fesselte sie. Dann fragte ich sie, was sie soeben mit mir machen wollte Doch sie antwortete nicht. Also grub ich erst einmal den Schatz aus und fragte sie dann erneut. Jetzt erzählte sie mir, dass sie wirklich eine Hexe sei und dazu noch die Schwester von Antonia. Aus Gram darüber, dass ihre Schwester so gut mit den Menschen auskomme, habe sie jeden, der in ihren Wald kam, in einen Vogel verzaubert. Eigentlich wollte sie mich auch verzaubern, aber ihr fehlte ein bestimmtes Kraut für einen Trank, den sie zum Zaubern brauchte. Ich sagte ihr, dass der König ihr verzeihen würde, wenn sie alle Vögel zurück verwandeln würde. Sie glaubte mir und verzauberte alle Vögel in Menschen zurück, da sie hierfür das fehlende Kraut nicht benötigte." Erfreut erlaubte der König der Hexe in seinem Land zu leben und erinnerte den Bauern an die dritte Aufgabe, die noch zu lösen war, um die Königstochter zu heiraten. Der Bauer machte sich auf die Reise und kehrte nach einem Monat mit der Blume wieder zurück. Er überreichte sie der Prinzessin. Die fiel ihm um den Hals, denn sie hatte ihn selber schon lieb gewonnen. Am nächsten Tag wurde eine dreitägige Vermählungsfeier von Prinz und Prinzessin begonnen. Sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. |
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