Märchenvorschlag Nr. 13/2001 von Nils (10 Jahre)
Der Kasperl und die weite Welt
Es war einmal ein Kasper, der wohnte mitten in einem großen, großen Wald. Er hatte sich ein paar Bäume gefällt und dort Blumen angepflanzt, die er täglich goß. Jeden Abend stellte er sich vor, wie wohl die weite Welt aussähe, bis er eines Tages los zog.
Er hatte sich ganz viel Proviant mitgenommen, weil er ja durch den ganzen Wald musste. Doch es reichte trotzdem nicht. Am zweiten Tag ohne Proviant hielt er es gar nicht mehr aus und dachte, er musste sterben. Er schmiß sich auf den Boden und merkte, dass er sich auf etwas gestürzt hatte, das sich bewegte. Er stand auf und sah einen Kopf, der zu einer Frau gehörte, die wohl gerade aus einem Maulwurfshügel kriechen wollte. Das kam dem Kasperl sehr komisch vor. Sie sagte, während sie aus dem Maulwurfshügel kroch: "Hast du keinen Proviant mehr?" Als sie bemerkte, dass er die ganze Zeit auf den Maulwurfshügel starrte, sagte sie leicht errötend: "Ich hab nämlich auch keinen Proviant mehr, und da war so ein Kaninchen, das ist in den Maulwurfshügel gelaufen und ich bin hinterher." Das kam dem Kasperl wieder sehr komisch vor. Sie erklärte dem Kasperl auf ihre komische Weise, wie sie in den Wald gekommen war. Dann fragte sie ihn:" Sollen wir nicht zusammen weitergehen?" "Meinetwegen", brummte der Kasperl. Und so geschah es dann.
Früh morgens zogen sie zusammen los. Morgens, mittags und abends gab es Tee von Kräutern, die die Frau noch dabei hatte. Aber immer noch hatten sie nichts zu Essen gefunden. Eines Mittags streute die Frau ihm ein Pulver in den Tee. Das machte sie zwar sonst nicht, aber der Kasperl dachte sich nichts dabei. Als er den Tee getrunken hatte, schlief er ganz plötzlich ein. Er wachte mit Riesenhunger auf. Die Frau saß noch da. Aber was war das? Er rieb sich die Augen. Doch es stimmte, was er sah. Die Frau briet einen Riesenbraten. Als sie sah, dass er wach war, sagte sie, als wäre nichts Besonderes los: "Gut geschlafen?" Weil der Kasperl nur auf den Braten guckte, sagte sie: "Der ist für mich. Du musst dir selber einen fangen." Der Kasperl, der seine Stimme wiedergefunden hatte, schrie:"Wo und wie bitteschön??!!!"
"Dahinten und mit der Hand", sagte sie gelassen. So ging das noch einige Tage, ohne dass sie Kasperl etwas abgab. Doch der Kasperl überlebte. Und dann erreichten sie die Stadt.
Der Kasperl war sehr enttäuscht. Die Autos gefielen ihm nicht, auch nicht die vielen Hochhäuser und überhaupt hatte er es sich ganz anders vorgestellt. Er fragte die Frau: "Wo gibt es hier etwas zu Essen?" "Dahinten", antwortete sie und deutete auf ein Restaurant, "aber das kostet Geld", sagte sie noch. "Kostet was???" Sie erklärte ihm schnell, was Geld ist und er war noch enttäuschter. Trotzdem fragte er sie: "Kannst du mir etwas von diesem Geld geben?" "Na gut", sagte sie, als hätte sie unendlich viel Geld. Und sie schien auch unendlich viel zu haben, denn sie gab ihm tausend Mark. Er ging in das Restaurant und bestellte für die tausend Mark Essen. Alle guckten ihn ganz entgeistert an. Aber sie machten, was er gewünscht hatte. Er wunderte sich auch ein bißchen über so viel Essen. Er wollte mit den Tragetaschen gefüllt mit Essen schnell zurück in den Wald gehen, die Frau hielt ihn jedoch auf. Sie sagte: "Du wirst für immer in der Stadt bleiben. Dafür werde ich sorgen. Ich bin nämlich eine Hexe." Die Hexe holte einen Stab aus der Tasche, wobei ein bißchen Pulver aus der Tasche auf das Essen in einer Tasche fiel. Der Kasperl zögerte, doch dann aß er schnell ein Stück von dem Essen mit dem Pulver. Plötzlich merkte er, dass er ganz leicht wurde und in der Luft schwebte. Er bewegte die Arme und konnte damit fliegen. Als er ein bißchen höher geflogen war, streckte er der Hexe die Zunge heraus, flog einen Looping und wollte nach Hause fliegen. Ein paar Meter vor seinem Haus ließ die Wirkung des Pulvers nach und er merkte, dass er das andere Essen verloren hatte. Er stürzte genau auf einen Baum in seinem Garten zu und krachte hinein, so dass der Baum umkippte. Als er sich vom Sturz wieder erholt hatte, freute er sich, dass der Baum weg war, weil er sowieso gefällt werden sollte. Dann ging er ins Haus, aß erst einmal von seinen Vorräten und lebte sein normales Leben weiter.
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