Der Vogel

Es war einmal ein Vogel, der so häßlich war, dass er keine Vogelfreunde hatte. Weil er keine Freunde hatte, flog er von Ort zu Ort, um die Welt besser kennen zu lernen. Als er eines Tages an einem Wald vorbei flog, wo er ein wenig Pause machen wollte, was er auch tat, fing er an zu singen. Der Gesang war so wunderschön, dass eine Prinzessin, die zur gleichen Zeit im Wald war, um Pilze zu sammeln, den Gesang hörte und ihm folgte. Als sie den Gesang ganz laut hören konnte, und sie meinte, der Ursache ganz nah zu sein, guckte sie sich gut um. Sie sah aber nichts. Sie guckte noch einmal. Aber dieses mal ganz genau. Plötzlich entdeckte sie den Sänger. Es war ein ganz kleiner, aber häßlicher Vogel. Die Prinzessin hörte dem Vogel noch ein paar Sekunden zu. Aber dann beschloß sie: "Diesen Vogel will ich haben". Da rannte sie so schnell sie konnte zum Schloss, besorgte sich einen Sack und nahm sich einen Diener mit.

Als sie an der Stelle wieder angekommen war, wo der Vogel gesungen hatte und noch immer sang, kletterte die Prinzessin ganz leise auf den Baum, um den Vogel nicht zu erschrecken. Als sie dem Vogel ganz nah war, wurde sie noch leiser. Plötzlich riss sie den Sack auf und ließ den Vogel darin verschwinden.

Nach etwa zweieinhalb Minuten war sie mit dem Diener und dem Vogel zurück im Schloss. Dort ging sie sofort zum Schmied und befahl ihm, einen Käfig zu bauen, der drei Meter breit, zwei Meter hoch und vier Meter lang sein sollte. Und das tat der Schmied auch in kurzer Zeit. Als der Käfig fertig war, wurde er in das Zimmer der Prinzessin gebracht. Das aber merkte der König und fragte die Prinzessin: " Was soll das?"
Da antwortete die Königstochter: " Das ist der Käfig für meinen neuen Vogel."
Den wollte sich der König natürlich angucken. Als er den Vogel sah, erschrak er und wollte von seiner Tochter wissen, was sie mit so einem häßlichen Tier wolle. Da antwortete sie: "Du wirst es noch hören."
Der König wollte aber auch wissen, wie lange sie den Vogel behalten wolle. Da sprach sie: "Ich weiss es nicht, auf jeden Fall lasse ich ihn irgendwann wieder frei."

Eines nachts, als alle schliefen, fing der Vogel aus Trauer über seine Gefangenschaft an zu singen. Das machte den König wach und er stand auf. Er folgte dem Gesang immer weiter bis zur Zimmertür der Prinzessin. Da fragte er sich: "Wer oder was kann das nur sein?" Er machte die Zimmertür leise auf und platzte fast vor Erstaunen, als er sah, dass es der Vogel war, der da sang. Er hörte ihm lange zu. Nach einer Weile schlief er ein. Er träumte davon, den Vogel so zu dressieren, dass er auf Kommando singt.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, ließ er die besten Ornithologen der Welt in sein Reich bestellen. Einer nach dem ändern scheiterte aber an dem Versuch, den Vogel zu dressieren. Als der letzte Ornithologe an der Reihe war, kam die Prinzessin gerade ins Zimmer, als er versuchte, den Vogel zu dressieren. Als sie herausbekam was dort geschah, war sie sehr wütend und lief zu ihrem Vater. Sie fragte, warum er das hinter ihrem Rücken veranlasst hatte. Der König konnte es nicht mehr verbergen und erzählte ihr die Wahrheit. Und diese Wahrheit war, dass er mit dem Vogel Geld verdienen wollte.

Nachdem der Käfig drei Jahre bewacht wurde, beschloss die Prinzessin, dem Vogel wieder die Freiheit zu schenken. Sie fuhr also mit zwei Wächtern zurück an die Stelle, wo sie ihn gefunden hatte. Nach einem tränenreichen Abschied nahm er den Vogel mit beiden Händen aus dem Käfig, küsste ihn und wollte ihn fliegen lassen, als er sich plötzlich in einen wunderschönen Prinzen verwandelte. Sie fand ihn so schön, dass sie ihn gleich zum Mann haben wollte. Sie heirateten noch in der gleichen Woche.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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