Märchenvorschlag Nr. 09/2001

Das Holzbündel

Vor langer Zeit lebte einmal ein König. Er hatte viele Reichtümer, aber auch viele Söhne. Die Söne waren sehr unvernünftig und stritten sich dauernd. Der alte Mann beobachtete sie und machte sich Sorgen. Er merkte, dass er bald sterben würde. "Was wird aus meiner Familie und meinem Besitz?" dachte er. "Die Söhne streiten sich, wenn ich eines Tages nicht mehr lebe, geht alles kaputt." Da rief er seine Söhne zu sich und sprach mit ihnen. Die aber hörten gar nicht zu, sondern zankten sich die ganze Zeit. Nun rief der Alte einen Diener und befahl ihm, Holzstöcke zu bringen. Jeder Sohn sollte einen erhalten und außerdem eine Schnur. Der Diener brachte alles und gab es dem Alten. Der bündelte die Stöcke und band sie mit der Schnur zusammen. Dann legte er den Bund vor seine Söhne hin und sagte: "Derjenige, der dieses Holzbündel durchbrechen kann, soll die Familie leiten und über meinen Besitz bestimmen."

Einer nach dem andern versuchten sie, das dicke Bündel zu zerbrechen. Aber vergebens! Da lachte der alte Mann, nahm das Bündel, löste die Schnur und gab jedem Sohn einen Holzstock. Jetzt war das Zerbrechen leicht. "Seht nur", sagte der Alte zu seinen Söhnen, "so müsst ihr das machen. Wenn ihr euch die Arbeit teilt und zusammen Probleme löst, dann werdet ihr unseren Reichtum erhalten und in Frieden und Harmonie leben."

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