Das Glück des Bauernsohnes

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, da machte sich ein junger Bauernsohn auf den Weg, um sein Glück zu versuchen. Nach drei Jahren kam er an eine alte Burg. Als er das Eichentor öffnete, kam ihm eine Eule entgegen geflogen. Sie sprach: "Helft dem König Mistrin. Er ist vom bösen Zauberer Kariso gefangen genommen worden."
Der Bauernsohn antwortete: "Wo wohnt der Zauberer?"
"Seine Burg liegt hinter den unseligen Hügeln."
"Ich mache mich gleich morgen auf den Weg, um ihn zu befreien."
Dann blickte er sich um. Ein goldener Tisch stand in der Halle und an den Wänden hingen viele Bilder in goldenen Rahmen, die alle Portraits von Prinzessinnen und Prinzen zeigten. Er ging auf die Bilder zu und sah sie sich genauer an. Eine Prinzessin war ganz besonders schön. Unter dem Bild entdeckte er den Namen: Prinzessin Marianne von Mistrinaut. Er fragte die Eule: "Ist das die Tochter des Königs Mistrin?" Die Eule antwortete flüsternd, dass sie die jüngste Tochter des Königs sei.

Am nächsten Tag machte er sich auf den Weg. Dabei zeigte die Eule ihm, vorne weg fliegend, den gefährlichen Weg durch die unseligen Hügel. Es war bekannt, dass dort schon über die Jahrhunderte viele Menschen verloren gegangen waren.
Am Abend erreichten sie eine Lichtung, auf der sie übernachteten. In dieser Nacht hörte der Bauernsohn eine Menge sehr unheimlicher Geräusche, so dass er froh war, als die Sonne aufging. Alle Tautropfen glitzerten wunderschön, aber ein besonderes Glitzern ließ den Jüngling aufmerken. Dieses war ganz golden und als er näher ging, fand er einen Ring im Grase. Den steckte er sich an seinen Finger. Kurz darauf hörte er die Eule rufen: " Wo hast du dich versteckt, Bauernsohn?"
Doch er stand geradewegs vor ihr, nur wundersamer Weise war er nicht zu sehen. Der Ring war ein Zauberring, der unsichtbar machte. Als er den Ring vom Finger zog, staunte die Eule. So erreichten die Beiden glücklich und unbeschadet die Burg des bösen Zauberers Kariso, in der der König Mistrin gefangen war.

Unsichtbar wie er war, gelangte der Jüngling an den Wachen vorbei in den Innenhof der Burg. Dort lauschte er einem Gespräch, aus dem er den Aufenthaltsort des Königs erfuhr. Ein Schreck durchfuhr ihn. Der edle König saß im tiefsten, schmutzigsten Kerker der Burg. Weil er ja unsichtbar war, schaffte er es aber ohne Weiteres den Schlüssel des Wärters in die Hände zu bekommen. Kein Klimpern des Schlüssels verriet ihn, als er den Kerker des Königs aufschloss. Schnell streifte er seinen Ring vom Finger und flüsterte: "Rasch folge mir, wir haben nur Wenigkeit aus Zeit aus der Burg zu fliehen!" Der Bauernsohn fasste die Hand des Königs, der dadurch augenblicklich auch unsichtbar wurde. So gelangten sie glücklich aus der Burg des Zauberers hinaus und erreichten den Waldrand, wo die Eule auf sie wartete. Der König dankte ihm und sprach: "Zum Dank sollst du meine jüngste Tochter Marianne zur Frau haben." Und schon bald darauf feierten die Beiden eine prächtige Hochzeit.

Und wenn sie nicht gestorben sind, sind sie auch heute noch die Einzigen, die vom Ring und dem Glück des Bauernsohnes wissen.

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