Märchenvorschlag Nr. 02/2001
Die lebenslustige Prinzessin KatjaEs war einmal eine Prinzessin, die war das einzige Kind ihrer Eltern. Deshalb wurde sie verwöhnt und bekam fast alle Sachen, die sie sich wünschte. Eines Tages wurde es ihr zu langweilig. Sie wollte die Welt kennen lernen. Sie wollte wissen, wie andere leben, wie sie wohnen und wie sie feiern. Aber sie wusste nicht, wie sie es ihren Eltern beibringen sollte. Ihre Eltern waren König und Königin, sie verstanden bestimmt nicht, dass sie in die Welt ziehen wollte. Also beschloss sie, ihnen einen Brief zu schreiben. Sie packte in eine Tasche alles, was man so braucht: Kleidung, Speisen und Getränke. Als sie das Schloss heimlich verließ, hing an der Türe ihres Zimmers ein Brief: "Liebe Eltern ! Ich will euch nicht beleidigen, aber manchmal ist es mir im Schloss zu langweilig. Deshalb will ich die Welt kennen lernen. Bis wir uns wiedersehen! Eure Prinzessin Katja". Als Erstes erblickte die Mutter den Zettel an der Türe. Sie weinte, weil sie ihre Tochter doch sehr lieb hatte und sich Sorgen um sie machte. Doch dann kam auch der Vater und sprach: "Sei doch nicht traurig, Marianne, das Kind ist groß genug, um die Welt kennen zu lernen. Mach dir keine Sorgen!" Inzwischen war Katja von dem Hügel, auf dem das Schloss stand, heruntergerannt. Von unten schaute sie noch einmal kurz nach oben zum Schloss. Nun ging sie langsamer, und sie fragte sich, was ihre Eltern wohl zu dem Brief sagten. Plötzlich kam sie zu einem Wald. Die Bäume wuchsen inmitten von hohen Kräutern, Gras und anderen Naturgewächsen. Nachdem sie eine Zeitlang spaziert war, kam sie zu einem sonderbaren Wald. Erst dachte sie, es wäre eine Lichtung, oder der Wald wäre zu Ende. Doch sie täuschte sich. Es war hohes, hohes, hellgrünes Farn. Als sie ein paar Schritte gegangen war, sah sie neben sich im hohen Farn ein kleines Männchen stehen. Weil es grimmig aussah, hatte die Prinzessin Angst und wollte weglaufen. Doch ihr Kleid verfing sich in den Dornen des Gebüschs und sie fiel hin. Ihr Kleid riss, ihre Tasche flog ihr aus der Hand und Katja lag auf dem Boden. Als sie nach der Tasche griff, wunderte sie sich, dass Farne Dornen haben. Als ihre Gedanken gerade ganz woanders waren, stand plötzlich dieses komische Männchen vor ihr. "Aufstehen!" sagte es mit tiefer Stimme. "Wie denn?" fragte Katja verzweifelt. Das Männchen schnipste mit den Fingern; die Dornen verschwanden. "Da staunst du, was?" fragte das Männchen. "Komm, folge mir oder... du wirst geköpft!" Ängstlich griff Katja nach ihrer Tasche und folgte dem Männchen. Auf dem Weg, Katja wusste gar nicht wohin, dachte sie pausenlos: "Zauberei, Zauberei!" Plötzlich standen sie vor einem sehr komischen Haus. Es war genauso breit wie hoch. "Angekommen!", sagte das Männchen. Es erschien eine junge Frau. Katja hörte, wie sich die beiden unterhielten. Die Frau sagte: "Ich habe den Trank BL38 genommen, damit ich schön werde." "Ja, Frau Hexe", sprach das Männchen. In dieser Nacht schlief Katja sehr schlecht. Sie lag in einem Zimmer, das völlig kahl war. Bis auf ein nicht gerade gemütliches Bett war dieses Zimmer ganz leer und die Tapete war schwarz. Um vier Uhr morgens wurde Katja wach. Sie hatte einen schlimmen Albtraum geträumt. Im Schlaf war ihr, als hätte die Hexe sie herum kommandiert und als solle sie nie wieder aus diesem Haus entkommen. Als Katja schließlich ganz wach war, zog sie sich ihre Sachen an und schlich zur Tür. Sie hatte nämlich Geräusche gehört. Sie lauschte. Leise öffnete sie die Türe. Sie ging einen Gang entlang und kam an eine Türe. Aus dem Raum hinter der Türe kamen Stimmen und Blubbergeräusche. "Ein Labor", dachte Katja. Da entdeckte sie einen verborgenen Knopf. Er leuchtete. Katja drückte auf diesen Knopf und eine Bodenplatte hob sich. Plötzlich hörte sie Stimmen. Schnell drückte sie erneut auf den Knopf. Die Platte schob sich wieder auf den Boden. An diesem Tag musste Katja immer wieder an diesen verflixten Knopf denken. Die Hexe übergab ihr einen Raum, der überall dreckig war. Den sollte sie in sehr flottem Tempo sauber machen. Doch Katja war nur halb bei der Sache. Zum Mittagessen gab es eine schlichte Blättersuppe: "Bäh!". Katja musste abends sehr früh ins Bett gehen und damit war der Tag zu Ende. So ging das viele Tage lang. Katja hielt es gar nicht mehr aus. "Ich muss hier heraus!", dachte sie. "Abends bin ich immer total müde! Aber wie soll ich hier herauskommen?", fragte sie sich. Doch plötzlich schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf: "Der Knopf!" Na klar! Dieser seltsame Knopf, der den Boden öffnete... In der Nacht packte sie ihre Sachen und wollte losgehen. Doch von der Türe her kamen Stimmen. Blitzschnell lag Katja wieder im Bett. Der nächste Versuch geschah an einem Nachmittag. Als die Hexe einmal nicht nach ihr schaute, verschwand Katja im Gang. "Tasche holen!", dachte sie. Wie ein Blitz jagte Katja in ihr Zimmer. Eine Minute später öffnete sich die Bodenplatte. Eine Art Rutsche lag vor ihr. Ohne zu überlegen rutschte Katja sie hinunter. Sie sah nach hinten und erstarrte beinahe. "Na, warte!", rief die Hexe und stand im selben Augenblick vor der Rutsche. Auch sie rutschte hinunter. Zum Glück war die Rutsche plötzlich zu Ende und Katja sah Licht. Doch leider kamen von irgendwoher plötzlich Seile, die sie festhielten. Da Katja aber noch Schwung hatte, riss sie die Seile mit sich und lag plötzlich auf der Erde. Ein Seil riss, das andere blieb zu ihrem Bedauern an ihr hängen. Doch als sie hochblickte, stand ein Pferd vor ihr mit einem Reiter darauf. Dieser sprang vom Pferd und Katja sah, dass es ein Prinz war. "Hilf mir, bitte!" bat Katja. "Die Hexe ist hinter mir her!!!" Der Prinz zerschnitt mit seinem scharfen Schwert das Seil. Gerade als die Hexe aus der Rutsche kam, saßen Katja und ihr Retter auf dem Pferd des Prinzen und sie sprengten fort. Die Hexe schimpfte hinter ihnen her. "Woher wussten Sie eigentlich, dass ich bei der Hexe eingesperrt war?" fragte Katja. Der Prinz antwortete: "Erstens kannst du mich mit "du" anreden und zweitens ist die Hexe sehr gefährlich und viele kennen sie." "Können wir zu dem Schloss reiten, in dem ich wohne?" "Klar", antwortete der Prinz. "Ich heiße übrigens Michael, und du?" "Katja! Das Schloss, in dem ich wohne, steht auf einem Berg", erzählte Katja noch. Dann dachte sie über alles nach, was gerade passiert war. Nach fünf Minuten war der Ritt zu Ende. Katja klopfte an das Schlosstor. Ihre Mutter öffnete ihr und umarmte sie. "Katja, wie schön, dass du wieder da bist!" rief sie. "Jetzt erzähle!" Katja erzählte ihrer Mutter lang und breit die ganze Geschichte. Danach kam der Vater und Katja musste alles noch einmal erzählen. Dann wurden Katja und Michael zur Tafel gebracht. Ungefähr einen Monat später entschlossen sich Katja und Michael, endgültig zu heiraten. Es wurde ein großes Fest. Auf einem großen Plakat stand mit deutlich lesbaren Buchstaben: Aus einer Rettung wird eine Hochzeit! Und wenn sie nicht gestorben sind, feiern sie noch heute. |
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