Märchenvorschlag Nr. 2/2000
von Wiebke (11 Jahre)

(Schülerin der Klasse 5 - Mädchengymnasium)

Felix die Räuberratte

Im letzten Sommer bekam ich ein neues Zimmer auf dem Spitzboden. Da wohnte ich gerne, weil es mit seinen Dachschrägen so gemütlich ist. Im letzten Herbst erlebte ich eine lustige Überraschung:
An einem schönen Freitagnachmittag, als ich auf dem Rückweg von der Schule nach Hause war, traf ich den Briefträger. Ich rief ihm zu: "Hallo, gehen Sie in die Kleestraße?"
Er antwortete mir: "Ja, wohnen Sie da? Wir können ja zusammen gehen!"
Also gingen wir zusammen in die Kleestraße. Als wir beide da angekommen waren, wollte der Briefträger sich von mir verabschieden.
"Also Tschüss! Halt! Ich habe ein Paket für dich."
Er gab mir ein Päckchen. Ich schaute auf das Paket und las halblaut vor mich hin: "Absender: Oskar Altemeyer, An: Wiebke Altemeyer."
Ich schüttelte das Paket. Nichts geschah. Plötzlich fühlte ich ein Zerren an meinem Hals. Der Briefträger stand immer noch neben mir. Er erinnerte mich: "Du hast deinen Schlüssel ins Schloss gesteckt. Da er aber an einem Band ist, der an deinem Hals hängt, zerrt es, wenn den Kopf hochstreckst!"
"Danke," murmelte ich.
Als ich dann endlich im Haus war, wurde ich von der Neugier gepackt. Ich vergaß sogar den Hund Arthur zu streicheln. Auf einmal griff ich mir das Päckchen und lief ins Wohnzimmer, um es da zu öffnen. Als ich es nach einer schwierigen Fummelei geöffnet hatte, rief ich: "Lecker, Süßigkeiten für mich allein! Toll! Den anderen gebe ich auch etwas ab. Ist doch klar!"
Ich nahm den vollen Karton mit nach oben in mein neues Zimmer.
Auf einmal merkte ich, dass ich mal auf das Klo musste. Also ließ ich den Karton auf den Boden fallen. Als ich vom Klo wieder kam, waren ein paar Süßigkeiten weg! Ich dachte verwundert: "Meine Marzipankartoffeln sind weg! Aber ich esse doch so gerne Marzipan! Oh Schreck, mein Vogel hat noch kein Futter bekommen! Das werde ich jetzt nach holen."
Aber als ich in die Futterdose schaute, war kein Futter mehr drin! In den nächsten Tagen verschwand auch Meerschweinchenfutter. Obwohl den Meerschweinchen eine kleine Diät sehr gut tut. Aber als dann noch mehr Süßigkeiten verschwanden, beschuldigte ich meine Schwester Mareike. Mareike schrie: "Ich habe keine Süßigkeiten von dir gegessen! Ehrlich!"
Aber natürlich glaubte ich ihr nicht. Eines Abends, als es schon dunkel war, hörte ich unter meinem Bette ein leises Schmatzen. Ich schnappte mir meine Taschenlampe und leuchtete unters Bett. Lustige kleine schwarze Knopfaugen schauten mich an. Eine kleine Ratte saß auf meinen Vorräten. Ihr Blick sah aus, als ob sie sagen wollte: "Bitte tue mir nichts, ich bin dein Freund."
Ich nannte ihn Felix die Räuberratte. Ich fand heraus, dass Felix keinen Speck mag. Am liebsten mag er Marzipankartoffeln. Am nächsten Morgen erzählte ich meiner Mutter die ganze Geschichte. Ab nun lebten Felix und ich zusamen. Ich gab ihm meine ganzen Marzipankartoffeln.

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