Märchenvorschlag Nr. 4 von Babsi (21 Jahre)
Der Liebesbeweis
Es gab einmal eine Zeit, noch lange bevor der Kontostand eines Mannes mehr
zählte als die Romantik seiner Worte...
... damals sollte Prinzessin Mirabella, die einzige Tochter des Königs
Wolfram verheiratet werden und aus hunderten von jungen, ritterlichen Männern
ihre Wahl treffen. Sie war ein eigensinniges Geschöpf, ebenso wild wie hübsch
und intelligent. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihr Leben lang
Single zu bleiben (Damals hieß das natürlich nicht so, ist doch logisch...) ,
sie vermißte nichts und fühlte sich wohl. Ihr Vater wiegte besorgt den Kopf,
als sie wieder einige Bewerber des Hofes verwiesen hatte. Mirabella sprach
ihre vernichtenden Urteile mit schmollend verzogenen Lippen und widmete sich
dann wieder ganz ihren Interessen. Sie streifte frei und ungebunden durchs
Land, verschlang wißbegierig ein Buch nach dem anderen und hatte nicht vor an
ihrem Dasein Entscheidendes zu ändern. Je näher ihr 18. Geburtstag rückte,
desto unbehaglicher wurde dem König zumute, schließlich schickte es sich
nicht für eine angehende Königin derlei Allüren auszuleben und er ließ sie in
seine Gemächer rufen.
Mirabella tänzelte leichtfüßig in sein Zimmer, drückte ihm ungestüm einen
Kuß auf die Backe und lachte schalkhaft: "Papilein, Dein Bart kratzt, es
wird wieder Zeit für eine Rasur." Da lächelte auch er
unwillkürlich, sie hatte diese Fähigkeit sein Herz zu rühren, was sonst
keinem gelang. Umso schwerer
fiel es ihm, ihr ein Ultimatum zu stellen. "Geliebte Tochter, es ist der
Wille des Volkes, ebenso wie der meinige, daß Du Dich bald vermählst. Ich
habe Dir die Wahl Deines Mannes zugestanden,
das ist mehr, als andere Väter für ihre Töchter tun. Nütze diese
Möglichkeit, denn es dauert nicht mehr lange bis zum Tag Deiner Hochzeit. Wenn Du
Dich bis dahin nicht entschieden hast, werde
ich es für Dich tun." Entzürnt blitzte Mirabella ihn aus ihren tiefblauen
Augen an, strich sich ihr Haar aus dem Gesicht und frage: "Vater, wie soll
ich erkennen, wer mich wirklich, von ganzem Herzen liebt?
Denn nur einen Mann, der mir seine Zuneigung beweist, werde ich
akzeptieren." sprachs und schritt hocherhobenen Hauptes davon.
Im Garten setzte sie sich auf eine Holzbank und weinte bitterlich. Heiße
Tränen bahnten sich ihre Wege über ihre bleichen Wangen. Warum nur, war ihr
dieses Schicksal beschieden? Der Gärtnerssohn
beobachtete sie verstohlen aus dem Schatten einer alten Birke. Schon lange
schlug sein Herz für die junge Königstochter, gerne hätte er sie getröstet,
doch er wußte sich keinen Rat. Eilig kramte er ein Stück
Papier hervor und schrieb einige Zeilen für sie, faltete den Brief und
ließ ihn langsam zu Füßen der Schönen gleiten. Mirabella blinzelte die Tränen
aus den Augen und hob das Blatt interessiert auf.
Stirnrunzelnd las sie die Worte und fühlte ein Kribbeln in sich
aufsteigen. "Ich wünschte ich wäre Sonnenstrahlen, die Dich in der Nase kitzeln und
zum Lachen bringen, wenn Du traurig bist" las sie im Flüsterton und errötete
leicht. Suchend blickte sie sich um, konnte aber niemanden sehen. Täglich
führte sie nun ihr Weg zu der Holzbank wo immer schon ein Brieflein für Sie
bereit lag.
Ungekannte Gefühle keimten in ihr, mit jeder Zeile verliebte sie sich mehr
in den Unbekannten, der wiederum sie so gut zu kennen schien und
schließlich konnte sie ihre Neugierde nicht mehr zügeln und versteckte sich einen Tag
und eine Nacht lang im Garten hinter der Rosenhecke. Der Mond stand hell am
Firmament, als sie den Gärtnersohn sah, der wieder eine Nachricht für sie
hinterlegen wollte. "Warum tust Du das für mich?" fragte sie ihn unschuldig.
"Ich liebe Dich so sehr, daß ich für Dich die Sterne vom Himmel holen würde"
antwortete er ihr. In diesem Moment zuckte eine Sternschnuppe über den
Himmel. Mirabella trat beherzt auf ihn zu und küßte ihn zart und weich, wie nur
Prinzessinnen es können auf den Mund und in ihrem Herzen zerbarsten tausende
kleine Glücksbläschen....
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