Märchenvorschlag Nr. 1
von Helena (11 Jahre)

Das dürre Land

Ein kleines junges Mädchen, mittellos, auf der Haut nur einen aus Stoffetzen zusammengesetztes Laibchen tragend, saß jeden Abend an einem Brunnen hinter einer Lehmhütte auf einen Stein. Sie schaute traurig drein, weil der Anblick ihres Landes, der sich ihr bot, einfach fürchterlich war. Die strahlende, nimmer vergehende Sonne trocknete das Land so fürchterlich aus, dass nichts mehr blühte und es nur noch staubig und grau ausschaute.

Wenn sie so des Abend dort saß, kamen alsbald eine Schar von buntgemischten Vögel am Himmel geflogen und ließen sich nieder vor ihr und trauerten mit ihr, um das durstige Land. Das Mädchen seufzte vor sich hin:

    "Ach' würd' es doch mal wieder im Land regnen. So könnten all die schönen bunten Gräser, Wiesen und Felder ihre voll Blütenpracht zeigen und das Land würde nicht so staubig und grau ausschauen."

Mit einem hilfesuchenden fragende Blick schaute sie die Vögel an und sprach:

    "Wisst ihr keinen Rat?"

Die Vögel zwitscherten hin und zwitscherten her, aufregend und unaufhaltsam. Ein heidenloses Durcheinander von feinen Stimmen schallte durch die Luft. Da sprach der Weiseste aller Vögel:

    "Was würdest du tun, wenn du an unserer Stelle wärest?"

Ohne großartig zu überlegen, antwortete das Mädchen:

    "Hätte ich so Flügel wie ihr und der Anzahl so viele wie ihr, würde ich mich in die Lüfte begeben und zu den Quellen des Wassers fliegen, meine Schnäbelchen voll Wasser schöpfen und mich geschwind auf den Rückweg begeben."

Das Mädchen hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da wurde es unruhig um sie herum. Die gesellige Vogelschar wusste was sie zu tun hatte und flog sofort in die Lüfte. Bald schon konnte man sie nicht mehr sehen.

Einige Tage vergingen, die das Mädchen alleine am Abend an dem Brunnen verbrachte und in ihren traurigen, aber nunmehr hoffnungsvollen Gedanken, verweilte. Die Abendsonne war noch so kräftig, dass ihm die Schweißperlen über das Gesicht liefen. Plötzlich wurde es jedoch von Mal zu Mal immer schattiger.

Ein schwarzer Punkt breitete sich am Himmel aus. Er kam immer dichter auf das kleine Mädchen zugeflogen und die Sonne verschwand zu Sehens hinter diesem schwarzen Punkt. Bald schon konnte das Mädchen erkennen, was der schwarze Punkt am Himmel war.
Es waren all ihre Vögel, und nicht nur ihre Vögel, sondern noch viele mehr, die am Himmel die Sonne verdunktelte. Es war fast unheimlich, aber das kleine Mädchen wusste, das es nichts Bösartiges war, sondern nur Gutes heißen würde, was in den nächsten Minuten passieren würde. Die Sonne verschwand nunmehr ganz, und plötzlich fing es in ganz vielen Tröpfchen an zu regnen. Ganz viele kleine Vögelschnäbel öffneten sich und ließen das Wasser aus den Quellen, woraus sie es geschöpft hatten, aufs Land tropfen. Immer mehr Vögel kamen des Himmels geflogen und es hat wahnsinnig lange gedauert, bis es aufgehört hat.

Das Mädchen hat das Ende des Regens nicht mehr mitbekommen. Sie ging zeitig zu Bett und bedankte sich vorher noch bei den Vögeln, dass sie dem Land geholfen haben.

Märchenwettbewerb - Vorschlag Nr. 2 Märchenwettbewerb - Übersicht der eingereichten Märchen

 Englische Übersetzung

Wenn du Fragen hast, klicke hier! Zum Seitenanfang
Zurück zur Startseite Email für die Märchenwelt Zum Gästebuch

© Copyright 2002 by step-4-step.de