Der Meister und sein SchülerMärchen der GeorgierEs war einmal ein armer Bauer, der hatte einen Sohn. Eines Tages sagte seiner Frau zu ihm: "Du mußt den Jungen etwas lernen lassen, sonst wird nichts aus ihm. Es geht nicht an, daß er so unwissend bleibt wie du."Diese Rede paßte dem Bauern zwar nicht, aber die Bäuerin gab keine Ruhe. So machte er sich denn eines Tages auf den Weg und nahm seinen Sohn mit sich. Sie waren nun auf der Suche nach einem Meister. Unterwegs hatten sie bald großen Durst, und als sie eine Quelle fanden, tranken sie sich satt und standen wieder auf mit den Worten "Ach, wie gut bist du". Da stieg plötzlich ein Teufel aus der Quelle hervor, verwandelte sich in einen Menschen und sagte zu dem Bauern: "Was willst du, Mensch? Und was fehlt dir?" Der Bauer erzählte ihm, daß er auf der Suche nach einem Meister sei für seinen Jungen. Da sagte der Teufel zu dem Bauern: "Gib mir deinen Sohn und laß ihn ein Jahr lang bei mir. Ich nehme ihn in die Lehre. Nach einem Jahr kommst du wieder. Wenn du ihn dann wiedererkennst, kannst du ihn mitnehmen, wenn du ihn aber nicht wiedererkennst, dann bleibt er für immer bei mir." Der Teufel hatte sich auf diese Weise schon viele Knaben zu eigen gemacht. Im Laufe eines Jahres hatten sie sich dann so verändert, daß ihre Eltern sie nicht wiedererkennen konnten. Dies alles aber war dem Bauern nicht bekannt. Er willigte daher in den Vorschlag des Teufels ein, ließ seinen Jungen bei ihm und machte sich auf den Heimweg. Bald war das Jahr um. Der Bauer brach auf, um seinen Sohn nach Hause zu holen. Auf dem Hofe des Teufels stand eine ganze Knabenschar. Der Teufel selbst war gerade nicht anwesend. Der Bauer schaute alle Knaben der Reihe nach an, aber er konnte seinen Sohn nicht herausfinden. Desto besser aber kannte der Junge seinen Vater und stand plötzlich vor ihm. "Wenn unser Meister kommt", sagte er, "verwandelt er uns alle in Tauben und befiehlt und aufzufliegen. Ich werde die vorderste sein, wenn wir wegfliegen, und die letzte, wenn wir zurückkommen. Wenn dich der Meister dann fragt, welche Taube dein Sohn sei, so weißt du, welche es ist." Die Freude des Bauern war groß über diese Nachricht und er wartete mit großer Hoffnung auf die Rückkehr des Meisters. Nach einiger Zeit erschien leibhaftig der Teufel, verwandelte alle Knaben in Tauben und ließ sie auffliegen. "Nun, welche von den Tauben ist dein Sohn?", fragte der Teufel,als die Tauben zurückkamen. Der Bauer zeigte auf die letzte. Da ärgerte sich der Teufel mächtig, aber er konnte nichts machen. Zwar erriet er, was da vor sich gegangen war, aber er mußte dem Bauern seinen Sohn zurückgeben. Voller Freude machten sich Vater und Sohn auf den Heimweg. Unterwegs trafen sie eine Schar Edelleute, die auf der Jagd waren. Die Jagdhunde waren hinter einem Hasen her, konnten ihn aber nicht einholen. Da sagte der Junge zu seinem Vater: "Jage einen Hasen aus diesem Gebüsch dort auf! Ich selbst verwandle mich in einen Hund und fange ihn vor den Augen der Edelleute. Die werden dich dann bitten, deinen Hund zu verkaufen. Sträube dich zuerst und verkaufe mich dann recht teuer. Später verwandle ich mich wieder und hole dich ein!"
Gesagt, getan. Der Vater verschwand im Gebüsch, scheuchte einen Hasen auf, der Sohn verwandelte
sich in einen Jagdhund, lief dem Hasen nach, holte ihn bald ein und erwischte ihn vor den Augen der
Edelleute. Diese wollten nun gerne den Hund haben und kamen zu dem Bauern mit der Bitte, ihnen
seinen Jagdhund zu verkaufen. Der Bauer sträubte sich zuerst und tat, als wollte er von einem Verkauf
nichts wissen. Als sie aber immer höhere Summen boten, willigte er schließlich ein, gab ihnen den Hund
und steckte das Geld in die Tasche. Die Edelleute legten den Hund an die Leine und führten ihn weg.
Nicht lange dauerte es, da stöberten sie unter einem Busche wieder ein Langohr auf, ließen den eben
gekauften Jagdhund los und hetzten ihn auf den Hasen. Der Hund jagte den Hasen ein gutes Stück wohl
vor sich her, aber als ihn die Jäger aus den Blick verloren hatten, verwandelte er sich wieder in einen
Jugnen und lief schnell seinem Vater nach. Als die beiden eine Weile gegangen waren, schien ihnen mit
einem Male das Geld zu wenig.
Nun hatten sie schon ziemlich viel Geld in der Tasche, aber dem Jungen war es immer noch zu wenig.
Er schlug daher seinem Vater ein neues Stückchen vor. |
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